‘Schwäbischer Gruß’
Seinen nacktes Hinterteil entblößen und es jemanden in Richtung Gesicht zu strecken, würde wahrscheinlich für jede Bevölkerungsgruppe nicht unbedingt erfreulich sein. Und auch wer gerne den Spruch “Leck mich am Arsch” verwendet, findet öft die passende Gegenantwort: “Wenn du deine Hose schneller unten hast, als ich meine Zunge draußen habe.” Gut, ein niveauvoller Dialog wird hierbei aller Vorausicht nicht zu Stande kommen, auch wenn sich beide Gesprächspartner noch so stark bemühen.
Im Süden von Deutschland ist das jedoch eine weit verbreitete Redewendung. Was in anderen Gefilden ausgedrückt wird, um sein Missfallen zu bekunden, wird dort neben der Ablehnung von Dingen auch noch eine Gespräch so weitergeführt, wenn es gerade ins Stocken geraten ist. Der so genannte “Schwäbische Gruß”, also “Legg me am Arsch!”, wird besonders in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich dafür verwendet, eine Unterhaltung wieder in den Gang zu bringen, ein Gespräch abzubrechen oder aber eine Überraschunk zu verkünden.
Der schwäbische Gruß stammt von einem alten Nacktheits- und Abwehrzauber. Wer damals – wahrscheinlich im Mittelalter – an Hexen und Dämonen glaubte und vor einem oder einer solchen stand, zeigte ihr oder ihm sein nacktes Hinterteil. Man dachte, dass sie einem so nichts anhaben können, dass es in diesem Sinne vor Angriffen von Hexen und Dämonen schützt. Diesen Zauber nannte man “Lecksfiedle”. Ihn kann man auch heute noch an enigen Kirchen und Klöstern an den Verzierungen bestaunen.
Und auch Johann Wolfgang von Goethe, einer der bekanntesten deutschen Dichter und Denker, setzte den Gruß ebenfalls in einem seiner Stücke ein. In “Götz von Berchlingen” hieß es: “Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!”.


