Rechtextremismus in Bayern nimmt zu
Nach dem Auffliegen der Zwickauer Terrorzelle NSU, ist die rechtsextreme Szene offener als je zuvor und versucht sich nicht einmal zu verstecken. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann stellte kürzlich erst den Verfassungsschutzbericht von 2011 vor und kommentierte, dass seit Herbst 2011 eine Zunahme von Aktivitäten der rechtsextremistischen Szene beobachtet werde.
Sie kommen nachts, zerstören die Reifen von Autos, schlagen die Scheiben ein und wollen Angst verbreiten. Doch auch an die Öffentlichkeit wagen sie sich mit Demonstrationen und werden auch hier laut des bayerischen Innenministeriums immer aggressiver. Wiedererwartend ist die Szene nicht weggetaucht, sondern einen Schritt nach vorne gegangen. Öffentliche Gewalt zähle mittlerweile auch zu ihren legitimen Mitteln.
In Bayern zeige sich die Aktivität vor allem in Franken, wo das Freie Netz Süd vorherrsche, seit einer seiner Spitzenleute aus der Haft entlassen wurde. Das Freie Netz Süd umfasst laut Verfassungsschutz bis zu 150 Aktivisten, zu denen bis zu 350 Anhänger dazu stoßen. Das Netz konzentriert sich in erster Linie auf Franken und die Oberpfalz.
Im Süden gilt Martin Wiese als treibende Kraft. Nach Wissen der Verfassungsschützer ist Wiese nach seinem versuchten Anschlag auf die Münchener Synagoge dabei, die Münchener und südbayerische Szene neu zu strukturieren. Per Gericht wurde Wiese der Kontakt zu drei Neonazis verboten, doch er tritt diese immer wieder auf Veranstaltungen. Dies ist ein Grund zur Kritik an der Justiz. Diese meint jedoch, dass die zeitliche Anwesenheit das Verbot nicht berühre.
Auffällig ist, dass im Freistaat ein Viertel der zur Fahndung ausgeschriebenen Rechtsextremisten leben. Innenminister Herrmann nimmt diese Entwicklung sehr Ernst und berücksichtigt dabei auch diejenigen, die sich außerhalb von Parteien und festen Gruppen befinden. Einzelne besonders gefährliche Neonazis werden von gesonderten Leuten beobachtet. Dies soll ein erster Schritt zum Ende darstellen.


