Guerilla Knitting in München
Guerilla klingt eigentlich nach Aufstand. Das Wort selbst bedeutet soviel wie ‘Kleinkrieg’ und steht an sich für Untergrundkämpfer. Sie handeln in der Regel verdeckt. Zeigen sich nie in der Öffentlichkeit und sind bemüht ihre Identität zu versteckt zu halten. Vor einigen Monaten haben zwei junge Münchnerinnen, die sich die ‘Rausfrauen’ nennen, einem ganz besonderen Guerilla-Akt zugewandt.
Die Studentinnen Sissi und Hermine machen Strick-Guerilla. Was das ist? Nun, sie verkleiden die Fassaden einer Stadt mit Strick. Den beiden ‘Rausfrauen’ geht es um das Verschönern der Stadt. Für viele Menschen klingt diese Art der Guerilla etwas eigenartig, doch für Sissi und Hermine ist ihre Aktion selbstverständlich.
Beispielsweise haben sie vor einigen Wochen, über Nacht, ein U-Bahn-Abteil mit Blumengardinen und Stricküberziehern versehen. Die Nixe am Oberanger erhielt einen pinkfarbenen Häkel-Bikini übergestreift. Jede Aktion bekam einen Zettel mit der Aufschrift ‘Rausfrauen verschönern München’.
Die beiden emanzipierten Studentinnen kommen sich vor wie Heinzelmännchen und wollen auch unerkannt bleiben. Ihre wahren Namen kennt die breite Masse nicht. Sie sehen ihre Arbeit als eine Art ‘Verstrickung’, die eine Hommage an die Tätigkeit an sich sein soll.
Die Bedeutung der ‘Rausfrauen’ hat einen feministischen Hintergrund. Früher war der öffentliche Raum lediglich nur für die Männer zugänglich. Mit den Aktionen des Stricks gehen die Frauen raus in die Öffentlichkeit und zeigen damit, dass das weibliche Geschlecht nicht nur in ihren eigenen vier Wänden arbeiten kann und sehr wohl etwas zu sagen hat.
Hermine und Sissi geben den klassischen Frauentätigkeiten ein neues Image. Sie möchten keinesfalls eine Gleichmachung von Frau und Mann damit herbeiführen. Es geht eher um die Akzeptanz der genderspezifischen Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. Sissi und Hermine haben für ihre Guerilla-Aktionen einen Blog erstellt, auf dem sie ihre Arbeiten präsentieren. Leider sind spätestens nach wenigen Tagen die Sticksachen von ihren Plätzen verschwunden. Ob sie den Passanten so gut gefallen, dass sie sie mit nach Hause nehmen? Wie dem auch sei, die sanfte Kunst der Streetart gefällt und lässt auf mehr hoffen.


