Altenpflege in Stuttgart in der Krise
Altenpflege © Alexander Raths – Fotolia.com
Die Stuttgarter Pflegeheime stecken in einer Krise. Grund dafür sind das umfassende Angebot von Plätzen, die sinkende Verweildauer (der Aufenthalt im Heim wird so lange wie möglich hinausgezögert), der hohe Investitionsbedarf und die Personalknappheit. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt.
Vor Kurzem war es noch schwer, einen Heimplatz direkt in Stuttgart zu finden. Mittlerweile ist die Landeshauptstadt in der stationären Dauerpflege quantitativ und qualitativ “sehr gut aufgestellt”, so der jüngste Altenhilfebericht der Stadt. Zur Zeit gibt es 5445 Plätze, 2015 werden 5650 Plätze benötigt. Es werden allerdings sogar 5725 vorhanden sein, wenn man die dazu zählt, die sich derzeit noch im Bau oder in der Planung befinden.
Heute schon ist die Situation so, dass sich die Pflegebedürftigen und ihre Familien einen Platz mehr oder weniger aussuchen können. Das hat allerdings Nachteile für die Heimträger. Die Belegungszahlen vieler Heime sind soweit zurückgegangen, dass die Auslastung im Vorjahr nur noch bei 95,6 Prozent lag. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch 98 Prozent. Bei einer solchen Belegungsquote kann man auch erst von Wirtschaftlichkeit sprechen.
Kurt Greschner, der zuständige Bereichsleiter bei der Caritas, sagt, dass die Lage schwieriger werde. 2010 hat der Dienst erstmals ein Minus von 100.000 Euro in der Altenhilfe gemacht. “Die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen wachsen.” Das können auch Sabine Bergmann-Dietz, Geschäftsführerin des städtischen Eigenbetriebs Leben und Wohnen (ELW), und Bernhard Schneider, Chef der evangelischen Heimstiftung, bestätigen.
Weil die Kasse je nach Pflegestufe nur etwa 1000, 1300 oder 1500 Euro im Monat übernimmt, beschäftigen viele Familien auch preiswertere Pflegekräfte aus Osteuropa. Ansonsten müssen die Angehörigen schon mal 2000 Euro im Monat selber zahlen, das kann sich auf Dauer niemand leisten. Die Träger versuchen nun, möglichst individuelle und flexible Angebote zu machen, um die Krise abzuwenden.


